Wir wandern weiter – fast schon Handarbeit

Die hohe Schule lässt grüßen. Von fern. Sehr fern. Aber immerhin, die sogenannte Besitzerin macht Fortschritte bei der geführten Schrittarbeit. So nennt es Frau Reitlehrerin, um das Ganze für die Frau interessanter zu gestalten. Die meutert ja schnell, wenn sie eine Aktivität für uncool hält. Ach, was sage ich, ihr kennt sie ja. Wir haben mit dem korrekten Angehen und Anhalten angefangen – also sie, ich kann das ja schon – und gerade arbeiten wir uns durch die Hufschlagfiguren. Ganze Bahn ist natürlich am einfachsten, dann kommt lustigerweise die einfache Schlangenlinie (weil Frau Reitlehrerin da mal besonderen Wert drauf gelegt hat) und sogar die Zirkel werden vom Boden aus rund, wenn man beizeiten den nächsten Zirkelpunkt anpeilt. Frau Reitlehrerin ist sehr zufrieden und schlägt vor, jetzt doch zu anspruchsvolleren Aufgaben überzugehen.

„Piaffe?“, fragt die sogenannte Besitzerin und ihre Augen leuchten.

„Schlangenlinie durch die Bahn, drei Bögen, mit Übergängen auf der Mittellinie“, lächelt Frau Reitlehrerin pädagogisch und erklärt, wie sich das vorstellt. „Die Schlangenlinie besteht ja aus drei Bögen mit zirka dreizehn Metern Durchmesser, dazwischen geht es geradeaus. Ich stelle euch zwei Tore aus Pylonen auf die Mittellinie, da geht es geradeaus durch und wenn ihr genau im Tor seid, kommt ein Übergang. Das heißt, ihr seid auf der gebogenen Linie, dann geht es geradeaus, geradeaus, geradeaus und dann kommt der Übergang zum Halten, woraus ihr wieder in einem flüssigen Schritt angeht, und zwar wieder erst geradeaus. Dann erst kommt der nächste Bogen.“

Hufschlagfigur

„Das ist ja pupsi-einfach“, winkt die Frau ab.

„Dann los. Den ersten Durchgang geht ihr ohne Übergänge, da geht es nur um die Linienführung und den Wechsel zwischen den geraden und gebogenen Linien. Wir sind auf der linken Hand, das heißt, du führst den Pfridolin auf seiner linken Seite. Bei den Schlangenlinien gehst du demnach abwechselnd auf der Innen- und auf der Außenseite vom Pfridolin.“

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Die Frau guckt fragend.

„Innen ist die Seite, nach der der Pfridolin gestellt ist.“

„Ach ja, klar. Das wusste ich“, lügt die Frau.

Los geht’s. Die sogenannte Besitzerin und ich marschieren los und Frau Reitlehrerin ist voll des Lobes. „Jetzt erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad“, findet sie. „Jedes Mal beim Erreichen eines Pylonentors gibst du eine ganze Parade, ihr bleibt also beide stehen. Ganz unaufwendig, allein durch deine Körpersprache.“

Rumstehen ist mir das Liebste, die Übung klappt also sofort. Weil die Frau heimlich an ihrer Körpersprache gearbeitet hat, können wir auch direkt flüssig wieder angehen. Frau Reitlehrerin ist begeistert und erweitert die Übung um Rückwärtsrichten und daraus im Schritt angehen. Und ich weiß nicht, wie sie das gemacht hat, aber auch das bekommt die sogenannte Besitzerin gut hin.

„Können wir dann jetzt was Schwierigeres machen? Piaffe oder so?“, fragt sie in ihrem jugendlichen Leichtsinn.

„Sehr gern. Wir nehmen jetzt den Trab dazu!“, strahlt Frau Reitlehrerin.

„Oh, nur Trab.“ So hatte sich die Frau das nicht vorgestellt. Trab hört sich anstrengend an. Mutlos sinken Ihre Schultern herab.

„Die Schlangenlinien helfen dir“, tröstet Frau Reitlehrerin. „Und du wirst sehen, wie gut dem Pfridolin Trab-Schritt-Übergänge an der Hand tun. Die alten Meister haben auch nicht direkt mit der Piaffe angefangen.“

Die alten Meister! Die Augen der Frau leuchten wieder. Wenn Frau Reitlehrerin von den alten Meistern spricht, kann das nur eines heißen: Sie, also die Frau, ist berufen. Also eine junge Meisterin. „Dann mache ich das natürlich auch so“, entscheidet sie großmütig.

„Sehr gut“, lächelt Frau Reitlehrerin. „Dann los: Du startest im Schritt, parierst den Pfridolin im ersten Tor zum Halt durch, wechselst die Führseite, damit du im neuen Bogen auf der Innenseite bist, und lässt den Pfridolin antraben. Vor dem nächsten Tor Übergang zum Schritt, dann zum Halt, erneuter Seitenwechsel deinerseits und wieder Trab.“

Genau eine Pferdelänge Trab hält sie durch, dann schnauft das Frauchen. Ich weiß gar nicht, warum, ich hab mich ja schon an ihr Schneckentempo angepasst. Bin halt ein Energiesparwunder 😊

Frau Reitlehrerin hat uns beobachtet und lobt die Frau erstmal für ihre Motivation. Das nimmt die dankbar an, Lob ist ja immer gut. Und wenn man für die Arbeit an der Hand Kondition braucht und das auch bei den alten Meistern so war, wird das bei ihr nicht anders sein, da ist sie ganz einsichtig.

Aber Frau Reitlehrerin ist noch nicht fertig. „Das ist eine schöne Übung für euch“, entscheidet sie mit einem strahlenden Lächeln. „Und Eure Hausaufgabe bis zum nächsten Mal! Du darfst das gern auch auf der anderen Hand üben und bei den Übergängen variieren.“

Und ich weiß ja nicht, wie Frau Reitlehrerin das immer macht, aber die sogenannte Besitzerin ist komplett angefixt und will das sooo sooo gern lernen, dass sie sich noch nicht mal über Hausaufgaben beschwert. Komisch, oder?

Bild: Bodenarbeit

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