Unterricht beim Meister

„Der Meister kommt zu uns!“ jauchzt die Frau, meine sogenannte Besitzerin.

„Und was will er da?“, erkundigt sich der Mann, der uns vor einiger Zeit zugelaufen und komischerweise immer noch da ist.

„Na, mir Unterricht geben natürlich!“ Die sogenannte Besitzerin hat nämlich was Falsches gegessen und davon anscheinend komische Visionen bekommen. Eine davon ist es, beim Meister des spirituellen Reitens Unterricht zu nehmen, den sie bislang nur heimlich und aus der Ferne bewundern konnte. Sie spricht weiter: „Weil ich doch jetzt zum Inner Circle dazugehöre, zu den Auserwählten, mit denen er persönlich spricht. Die anderen können ihn nur im Internet bewundern. Die Armen.“

Arm ist wohl in erster Linie die sogenannte Besitzerin, denn die Erleuchtung durch den Seelenformer, wie ihn seine AnhängerInnen nennen, kostet eine Kleinigkeit. Dafür kriegt man aber auch was geboten: Die Aura des Meisters und seines Mediums, das für ihn mit denen spricht, die nicht auserwählt sind, bestimmt jede Menge Weisheit und Erleuchtung und schließlich die Vermittlung der spirituellen Reitkunst, die der Meister von seinen Vorfahren mündlich überliefert bekommen hat. „Unterricht beim Meister“ weiterlesen

Wenn es gut geht, guckt natürlich keiner

Ein gähnendes Pferd

Morgens im Stall, wenn es gerade hell wird und unsereiner noch kein Frühstück bekommen hat, schlägt ihre Stunde. Dann kommt die Frau, unsere sogenannte Besitzerin, in den Stall geschlichen, um vor der Arbeit zu reiten. Verrückte Idee, wenn ihr mich fragt, aber mich fragt ja mal wieder keiner. Diese sensationelle Schnapsidee hat sie ganz allein entwickelt, und es ist ihr egal, dass ich das für Körperverletzung und seelische Grausamkeit halte.

Unsere kleine Dressurqueen hat nämlich wieder irgendwelche Reitprofis gestalkt und herausgefunden, dass viele die meditative Ruhe morgens im Stall schätzen. Wenn sich die Seele nochmal schnarchend im Bett umdreht und der Körper komatös hinterherhinkt, dann muss geritten werden. Auch wenn unsereiner gerade eben noch im Tiefschlaf war. Aber man ist ja von Haus aus Fluchttier, das passt dann schon. Von Null auf Hundert und Spiralen in den Augen in weniger als einer Millisekunde. „Wenn es gut geht, guckt natürlich keiner“ weiterlesen

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Dein Freund und Helfer. Nicht.

Die Frau hat jetzt ein Seelenpferd und Herzenspony. Tipp: Ich bin es nicht. Nein, es ist der Lutschi, unser minderjähriges Mähnenwunder. Der sie immer so süß und schläfrig durch seinen zotteligen Schopf anblinzelt, wenn sie sich neben ihn auf ihre rosa Flauschidecke legt, um zu meditieren. Das ist nämlich die neueste Unsitte hier: wenn man mit nix Bösem rechnet und verträumt nach unten guckt, liegt da unsere kleine Ostwind-Wendy auf ihrer schweinchenrosa Meditationsdecke und ommmt vor sich hin. Nachdem ich neulich vor Schreck fast an die Decke gesprungen bin, hat sie beschlossen, dass unsere seelische Verbindung doch nicht so das Gelbe vom Ei ist und ihre Rumlieg-Aktivität auf die Box vom Lutschi verlagert, weil der ja sooooo sehr ihr Herzenspferd ist. Und so nah an ihrer Seele und überhaupt. „Dein Freund und Helfer. Nicht.“ weiterlesen

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